Umstellung auf DSGVO verläuft holprig

Die DSGVO wurde am gestrigen Tag in allen EU-Mitgliedsstaaten rechtlich bindend. Allerdings verlief die Umstellung teilweise nicht ganz reibungslos.

Drei von vier Unternehmen nicht optimal vorbereitet

Nicht alle Unternehmen waren auf die Gesetzesänderungen vorbereitet. Nur gut eine Woche vor dem Stichtag sahen sich Dreiviertel der deutschen Unternehmen nicht in der Lage, die Änderungen fristgerecht durchzuführen. Dies ergab eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom, an der über 500 Unternehmen aus der gesamten Bundesrepublik teilnahmen. Wie streng Vergehen im Einzelfall bestraft werden, wird sich noch zeigen. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen hofft auf eine Aufforderung zur Nachbesserung durch die zuständige Aufsichtsbehörde, statt sofortige Sanktionen. Unklar ist auch inwieweit sich die DSGVO auf das Geschäft der Unternehmen auswirken wird. 58 % der befragten Firmen erwarten einen permanent erhöhten Aufwand durch die Verordnung. Für die Hälfte der Umfrageteilnehmer stellt die DSGVO einen Wettbewerbsvorteil für europäische Unternehmen dar. 9 % sehen dagegen ihre Geschäftstätigkeit bedroht.

DSGVO verursacht bereits Chaos

Die von Datenschutzaktivist Max Schrems ins Leben gerufene NGO nyob legte direkt am Stichtag der DSGVO Beschwerden gegen Facebook, WhatsApp, Instagram und Android ein. Diese sollen von Nutzerinnen und Nutzern zu breite Einwilligungen in ihre Datenschutzerklärungen erwartet haben. Dies widerspricht der Datenschutzgrundverordnung, da ein Vertrag, bzw. der Zugang zu Dienstleistungen, nicht von der Zustimmung zur Datenverarbeitung abhängig gemacht werden darf. Sollten die Beschwerden erfolgreich sein, könnte es laut nyob zu Geldbußen in Höhe von jeweils 1,3 Mrd. Euro für WhatsApp, Instagram und Facebook sowie 3,7 Mrd. Euro für Android kommen.

Um auf Nummer sicher zu gehen, nahmen viele Unternehmen ihre Webseiten kurzerhand vom Netz. So sind beispielsweise US-Nachrichten-Seiten wie die der Los Angeles Times, der Internetauftritt der Rechtsanwaltskammer Düsseldorf oder Boschs Heimwerkerportal 1-2-do.com derzeit nicht mehr erreichbar. In anderen Fällen kam es zu höchst aufwendigen Vorgängen zur Einverständniserklärung oder hunderten fälschlich versendeten E-Mails.

Noch ist nicht abzusehen, wie genau sich die DSGVO auf Verbraucher und Unternehmen auswirken wird. Es ist jedoch offensichtlich, dass viele von der Umstellung überfordert sind und es noch einige Zeit dauern wird, bis wieder Normalität einkehrt.

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